Was passt für wen?
Im Netzwerkbereich taucht eine Frage immer wieder auf:
Welche Firewall bzw. welches Router-System ist „das beste“?
OPNsense, pfSense und RouterOS werden dabei am häufigsten genannt.
Und wie so oft lautet die ehrliche Antwort:
Es kommt auf den Einsatzzweck an.
Ich habe alle drei Systeme genutzt oder intensiv getestet.
Dieser Artikel ist keine Kaufempfehlung,
sondern eine praxisnahe Einordnung.
1. pfSense
Der Klassiker
Stärken:
- lange am Markt
- große Verbreitung
- viele Anleitungen und Tutorials
- solide Basis für klassische Firewalls
Schwächen:
- starke Abhängigkeit vom Hersteller (Netgate)
- Entscheidungen, die nicht immer communityfreundlich sind
- Update-Politik teilweise problematisch
- Erweiterungen teils eingeschränkt
Einordnung:
pfSense funktioniert.
Aber es fühlt sich zunehmend wie ein
kontrolliertes Ökosystem an.
Für viele Setups ist es ausreichend,
für Poweruser und Bastler oft zu restriktiv.
2. OPNsense
Die offene Alternative
Stärken:
- komplett offen entwickelt
- transparente Roadmap
- regelmäßige Updates
- saubere Weboberfläche
- sehr gute Plugin-Struktur
Schwächen:
- mehr Optionen = mehr Komplexität
- Einarbeitung notwendig
- nicht jede Einstellung selbsterklärend
Einordnung:
OPNsense ist für mich das
rundeste Gesamtpaket, wenn man:
- Kontrolle will
- versteht, was man tut
- sein Netzwerk bewusst aufbauen möchte
Es ist keine Klicki-Bunti-Firewall,
sondern ein Werkzeug.
3. RouterOS (MikroTik)
Das Schweizer Taschenmesser
Stärken:
- extrem leistungsfähig
- sehr flexibel
- hervorragend für Routing, VLANs, VPNs
- läuft auch auf sehr schwacher Hardware
- nahezu unbegrenzte Konfigurationsmöglichkeiten
Schwächen:
- steile Lernkurve
- UI wirkt sperrig
- Dokumentation oft fragmentiert
- Fehler lassen sich schwer debuggen
Einordnung:
RouterOS ist kein klassisches Firewall-System,
sondern ein Netzwerk-Baukasten.
Ideal für:
- komplexe Routing-Szenarien
- ISP-nahe Setups
- Leute, die Netzwerke wirklich verstehen wollen
Nicht ideal für Einsteiger.
4. Webinterface vs. Konfigurationstiefe
Ein wichtiger Unterschied:
- pfSense / OPNsense → Firewall-zentriert
- RouterOS → Netzwerk-zentriert
OPNsense und pfSense führen den Nutzer,
RouterOS fordert ihn.
Das ist weder gut noch schlecht –
es ist eine Frage der Erwartung.
5. Typische Einsatzszenarien
Heimnetz / Einsteiger:
- pfSense oder OPNsense
- klare GUI
- schnelle Erfolgserlebnisse
Homelab / Self-Hosting:
- OPNsense
- volle Kontrolle
- gute Logging- und Filtermöglichkeiten
Komplexe Netzwerke / Routing-lastig:
- RouterOS
- maximale Flexibilität
- höchste Lernkurve
6. Meine persönliche Wahl
Ich nutze OPNsense als zentrale Firewall.
Warum:
- volle Transparenz
- keine Hersteller-Abhängigkeit
- saubere Update-Politik
- hervorragende Kontrolle über DNS, Routing und Logs
RouterOS nutze ich dort,
wo klassisches Routing und VLAN-Logik im Vordergrund stehen.
pfSense habe ich bewusst hinter mir gelassen,
nicht weil es schlecht ist,
sondern weil mir die Richtung nicht gefällt.
7. Der häufigste Fehler
Der größte Fehler ist:
das falsche Tool für den falschen Zweck zu wählen.
- RouterOS im Einsteiger-Heimnetz
- pfSense als komplexe Routing-Plattform
- OPNsense ohne Verständnis der Grundlagen
Netzwerke verzeihen wenig.
Je komplexer das Tool,
desto wichtiger das Wissen dahinter.
8. Fazit
OPNsense, pfSense und RouterOS sind
alle leistungsfähig.
Die entscheidende Frage ist nicht:
„Was ist besser?“
Sondern:
„Was passt zu mir, meinem Wissen und meinem Ziel?“
Wer das ehrlich beantwortet,
landet automatisch beim richtigen System.