Aufbau, Hardware, Entscheidungen
Der Begriff „Homelab“ wird heute für vieles verwendet:
vom Raspberry Pi unter dem Schreibtisch
bis zum halben Rechenzentrum im Keller.
Mein Homelab liegt irgendwo dazwischen –
aber mit einer klaren Philosophie:
maximale Kontrolle, klare Rollen, so wenig Chaos wie möglich.
Dieser Artikel ist kein Showcase
und kein Flex-Post,
sondern eine ehrliche Dokumentation meines aktuellen Standes.
1. Grundidee & Philosophie
Mein Homelab folgt ein paar festen Prinzipien:
- alles Kritische ist virtualisiert
- klare Trennung von Rollen
- ein zentraler, leistungsfähiger Host
- Clients sind austauschbar
- Infrastruktur schlägt Spielerei
Ich setze bewusst auf wenige, starke Systeme
statt auf viele kleine Bastelkisten.
2. Zentrale Architektur
Kernidee:
Ein leistungsfähiger Proxmox-Host,
auf dem nahezu alles läuft – inklusive meines produktiven PCs.
Vorteile dieses Ansatzes:
- zentrale Verwaltung
- konsistente Backups
- einfache Migration
- klare Übersicht
Der Host ist zwar ein Single Point of Failure,
aber bewusst gewählt und beherrschbar.
3. Hardware-Setup (Stand 2026)
Proxmox Host:
- AMD Ryzen 9 5900X (12C / 24T)
- 48 GB RAM (DDR4)
- NVIDIA RTX 2070 SUPER (GPU-Passthrough)
- mehrere SSDs/HDDs (ca. 6 TB gesamt)
- 2-Port-Gigabit-NIC (LAN / WAN-Trennung)
- Big-Tower-Gehäuse statt Rack
Warum kein Rack?
- Lautstärke
- Stromverbrauch
- Platzbedarf
- unnötige Komplexität
Ein Big Tower ist leiser,
wartungsfreundlicher
und für den Einsatzzweck völlig ausreichend.
4. Virtualisierung & Dienste
Hypervisor:
Zentrale VMs / Services:
- OPNsense (Firewall, Single Entry Point)
- Produktive Windows-VM (Gaming + Arbeit)
- Linux-Server für Web & APIs
- Jellyfin
- Nextcloud
- Home Assistant
- diverse Test- und Projekt-VMs
Alles läuft virtualisiert –
Bare Metal gibt es nur dort,
wo es technisch sinnvoll ist.
5. Netzwerk & Sicherheit
Netzwerk-Ansatz:
- Firewall als VM
- alles muss durch die Firewall – auch der Host
- kein direkter Internetzugang für interne Systeme
Sicherheitsprinzipien:
- eigener DNS-Resolver
- Tracking- und Werbe-Domains größtenteils geblockt
- VPN statt Portfreigaben, wo sinnvoll
- vollständige Kontrolle über Routing und Logs
Das Netzwerk ist bewusst eher
Mini-Rechenzentrum als klassisches Heimnetz.
6. Clients statt klassischer PCs
Mein eigentlicher „PC“ ist eine VM.
Clients:
- Intel NUC (Linux Mint XFCE)
- weitere Geräte per Moonlight
Vorteile:
- überall derselbe Arbeitsplatz
- keine feste Hardware-Bindung
- schnelle Wiederherstellung
- leise Arbeitsumgebung
Im Prinzip:
mein eigenes GeForce Now – nur lokal.
7. Entscheidungen gegen den Mainstream
Warum kein Intel?
- P-/E-Core-Konzept für Virtualisierung ungeeignet
- unnötige Komplexität
- schlechtere Planbarkeit
Warum kein NAS-OS?
- eingeschränkte Kontrolle
- VM-Funktionen oft nur „Beigabe“
- Infrastruktur statt Appliance-Gefühl
Warum keine Cloud?
- volle Kostenkontrolle
- Datenhoheit
- keine externen Abhängigkeiten
8. Was bewusst nicht perfekt ist
- Single Point of Failure beim Host
- RAM ist aktuell der limitierende Faktor
- kein echtes High-Availability-Setup
Wichtige Einordnung:
Der Single Point of Failure ist nur deshalb beherrschbar,
weil jede kritische Hardware-Komponente
mindestens einmal als Ersatz im Haus vorhanden ist.
Konkret bedeutet das:
- CPU vorhanden bzw. schnell ersetzbar
- Netzteil doppelt vorhanden
- RAM-Module als Reserve
- Ersatz-GPU verfügbar
- Datenträger mehrfach vorhanden bzw. gespiegelt
Fällt ein Bauteil aus,
kann ich in kurzer Zeit reagieren,
ohne auf Lieferzeiten oder externe Abhängigkeiten angewiesen zu sein.
Das ersetzt kein echtes HA-Cluster,
macht den zentralen Host aber praxisnah, kalkulierbar und kontrollierbar.
9. Fazit
Mein Homelab ist kein Statussymbol
und kein YouTube-Setup.
Es ist:
- funktional
- kontrollierbar
- leise
- stabil
- auf meine Anforderungen zugeschnitten
Ein Homelab muss nicht groß sein.
Es muss durchdacht sein.
Und genau das ist mein Stand im Jahr 2026.